Verkaufen auf Real.de

Eine Einführung in den Marketplace von Nebenan

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Real ist mit seinen über 280 Filialen nicht nur ein weit verbreiteter deutscher Supermarkt, sondern seit einiger Zeit auch ein Online-Marktplatz, der gewerblichen Händlern offen steht – ganz nach dem Vorbild der großen E-Commerce-Riesen. Grund genug, einen genaueren Blick auf die noch junge Plattform zu werfen.

Vor nunmehr zwei Jahren übernahm die etwas angeschlagene deutsche Supermarktkette und Metro-Tochter Real das Kölner Online-Shopping-Portal Hitmeister, um sich langfristig mit einem eigenen Marketplace in Stellung zu bringen und so dem wachsenden Druck durch analoge und digitale Mitbewerber zu begegnen. Ein in Deutschland bislang einzigartiger Schritt. Und während man zeitgleich ebenso an einem riesigen Liefernetzwerk für Lebensmittel und der entsprechenden Logistik arbeitet, scheint ein Ende der – für Real so lebenswichtigen – Investitionsoffensive vorerst nicht in Sicht.

Konditionen und Sortiment

Wenngleich man sich nach eigenen Angaben auf den deutschsprachigen Markt konzentrieren, also eher in nationalen als in internationalen Dimensionen denken möchte, sind viele Gepflogenheiten auf real.de so, wie man sie auch von den anderen großen Marktplätzen kennt. Einige Unterschiede zu den führenden E-Commerce-Playern lassen sich dennoch ausmachen.

Die Händler des Marketplace müssen eine monatliche Grundgebühr (hier 39,95 EUR) entrichten, können dafür jedoch unbegrenzt viele Artikel listen und profitieren zusätzlich von Reals Kundenservice, der laut Angaben des Konzerns den Großteil der Endverbraucheranfragen bedient. Für weitere 9,95 EUR – und das ist unüblich – ermöglicht real.de die Verlinkung beziehungsweise Weiterleitung zum eigenen Online-Shop. Transaktionsgebühren, sprich Kosten für die Zahlungsbearbeitung, fallen in diesem Marketplace nicht an. Darüber hinaus ist die Mitgliedschaft auf real.de monatlich kündbar.

Für jeden über die Plattform getätigten Verkauf wird eine Verkaufsprovision fällig. Die Höhe ist dabei abhängig von der Produktkategorie und staffelt sich bei real.de wie folgt:

  • Computer, Elektronik, Haushaltsgeräte, Reifen, Felgen, Kompletträder:
    6,5 % des Verkaufspreises, zzgl. Versand
  • Werkzeug & Gartengeräte, Fahrräder, Fitnessgeräte, Tischtennisplatten:
    8,5 % des Verkaufspreises, zzgl. Versand
  • Computer-Zubehör und Elektronik-Zubehör:
    10,5 % des Verkaufspreises, zzgl. Versand
  • Küche & Haushalt, Haushaltsgeräte-Zubehör, Körperpflege & Gesundheit, Spielwaren, Büromaterialien, Fanartikel, Uhren & Schmuck, Lebensmittel, Tabakwaren, Garten & Freizeit, Möbel & Wohnen, Lampen & Leuchten, Medikamente, Sexspielzeug, Bekleidung, Taschen & Accessoires, Schuhe, Tierbedarf, Kostüme und Zubehör, Partydekoration, Bastelbedarf, Schutz und Sicherheit, Baby und Babyzubehör, Esoterik, Auto und Motorrad (ohne Reifen, Felgen und Kompletträder), Parfum, Sportausrüstung, Tiernahrung, Sonstiges (nicht kategorisiert):
    12,5 % des Verkaufspreises, zzgl. Versand
  • Medienartikel:
    12,5 % des Verkaufspreises, zzgl. Versand + 0,70 EUR pro verkauftem Artikel

Auch Marketing-Maßnahmen sind bei real.de möglich. Der Konzern verweist hierbei außerdem auf sein dichtes, wenn auch zuweilen konventionelles Netzwerk an Werbemitteln in Form von Prospekten, Infotafeln in den über 280 Märkten oder über Facebook. Gerade in diesem Bereich hat der Marketplace naturgemäß Aufholbedarf, denn, ob analoge Werbemaßnahmen langfristig eine digitale Verkaufsplattform bereichern, ist zumindest diskutabel.

Für den Versand, Verpackung und die Lagerung ihrer Artikel sind die Händler zum jetzigen Zeitpunkt selbst verantwortlich. Ein Fulfillment-Paket wie Amazons „FBA“ wird bislang nicht angeboten. Ob auch die Marketplace-Anbieter langfristig jedoch von Reals Plänen rund um ein flächendeckendes Versandnetzwerk profitieren werden, bleibt abzuwarten.

Real zufolge besuchen monatlich bereits rund 10 Millionen User den noch jungen Marktplatz mit seinen immerhin 10 Millionen Produkten in 5.000 Kategorien- und Unterkategorien. Eine erste Bewertung seitens des Konzerns fiel dementsprechend bereits euphorisch aus und spricht von teils deutlichen Umsatzsteigerungen seiner Anbieter

Lohnt sich real.de bereits?

Allem Eigenlob seitens Real zum Trotz: Zum alleinigen wirtschaftlichen Standbein taugt real.de bislang noch nicht. Der Marketplace wird für die meisten eher Zubrot als eine wirkliche Alternative zu Amazon und Co. sein. Das muss erst einmal nicht zu kritisch beurteilt werden. Zum einen befindet sich der Marktplatz noch immer in einem recht frühen Stadium und zum anderen ist ein breit aufgestelltes Repertoire an Verkaufskanälen durchaus nützlich, will man als Händler, der zwingenden Abhängigkeit von wenigen oder nur einem Kanal vorbeugen.

Von den Kunden wird Real noch immer zu allererst mit dem „Supermarkt um die Ecke“ und nicht mit dem digitalen Marketplace assoziiert. Dies kann dem eigenen Branding jedoch auch zum Vorteil gereichen – vor allem in der Nische oder im Falle unbekannter Unternehmen. Ein Listing im Marketplace suggeriert hier – wie bei der Platzierung im Supermarktregal – bereits von Vornherein eine gewisse Relevanz und Markterprobtheit, die sich wiederum aus dem Vertrauen und den Erwartungen der Kunden gegenüber der Beständigkeit eines traditionellen und bekannten Supermarktes ergibt. Die Möglichkeit, seinen Listings eigene Markenlogos hinzuzufügen sowie die Verbindung der Produktpräsentation zur eigenen Website beziehungsweise zum eigenen Online-Shop, lassen zudem noch Spielraum für ein individuelles Branding jenseits des Windschattens der Plattform.

Ob sich real.de bereits zum jetzigen Zeitpunkt lohnt, ist demnach auch immer eine ganz individuelle Frage des Produktsortiments und Unternehmensgröße. Nimmt man das hohe Maß an Eigenverantwortung sowie die nicht unüblichen Verkaufsprovisionen in Kauf, hält die monatliche Kündbarkeit die wirtschaftliche Fallhöhe einigermaßen gering und ermöglicht zudem das ein oder andere Experiment. Insgesamt lohnt es sich jedoch allemal, den neuen Marketplace real.de im Auge zu behalten, denn den klassischen Supermärkten könnten schon bald stürmische Zeiten bevorstehen.

Die Bedrohung durch Amazon und die Zukunft der Supermärkte

Jetzt einen eigenen Marketplace zu initiieren, war sicherlich nicht der schlechteste Schritt von Real, denn mit Amazons anhaltender Sortiments-Expansion (etwa Amazon Fresh) in Richtung verderbliche Lebens- und Nahrungsmittel greift der Online-Shopping-Riese aus Seattle auch international mehr und mehr nach der Domäne der klassischen Supermärkte. Hygiene- und Drogerie-Artikel finden sich ohnehin schon seit geraumer Zeit in der Produktpalette von Amazons Online-Marktplätzen.

Dazu dürfte man mit Sorge die Entwicklungen in der US-amerikanischen Supermarkt- und Discounterlandschaft beobachten. Dort erprobt Amazon nämlich nicht nur seinen hauseigenen, bargeldlosen Supermarkt Amazon Go, mit dem Kauf der Bio-Supermarkt-Kette Whole Foods löste man ein Erdbeben in der Lebensmittelbranche aus. Und die Spekulationen, dass Whole Foods – nach den USA, Kanada und Großbritannien – auch den deutschen Markt betreten wird, werden allmählich lauter. Reals Intention bei den Bemühungen um den eigenen Marketplace real.de werden also zumindest in Teilen davon bestimmt sein, sich lieber jetzt auch online nachhaltig zu positionieren, ehe man später offline überrollt wird.

Die Zukunft, soviel ließe sich bereits jetzt mutmaßen, wird die Kategorisierung von Online- und Offlinemarktplätzen eher aufheben als verschärfen. Sie liegt vielmehr in einer Symbiose aus E-Commerce und stationärem Handel, deren Beschaffenheit und Ausprägung sich stetig und flexibel an Nachfrage, Gewohnheiten und den Bedürfnissen der Endverbraucher orientiert.

Für Lob oder Kritik an Reals Strategie und Umsetzung mag es zu früh sein; die langfristige Ausrichtung beziehungsweise das Konzept, sowohl eine klassische Supermarktkette als auch einen Marketplace unter einem Dach zusammenzufassen, könnte dem Konzern jedoch hinsichtlich der voraussichtlichen Umwälzungen der nächsten Jahre denkbar zum Vorteil gereichen und macht eine Partizipation der Händler durchaus reizvoll.

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